Pastorendiek wird 100: Offene Wasserfläche schrumpft auf 6.000 Quadratmeter
Von: Sylvia Wendt
Der Pastorendiek bei Sudwalde feiert sein 100-jähriges Schutzgebietsjubiläum. Ein neuer Holzsteg soll Besucher vom sensiblen Schwingrasen fernhalten.

Das Luftbild zeigt den Pastorendiek im 2009, die Verlandungen sind schon ein wenig zu sehen. © Wilfried Meyer
Sudwalde – Warum der Pastorendiek eigentlich Pastorendiek heißt? Jan Kanzelmeier muss für Details passen: „Das Areal heißt schon ewig und drei Tage so.“ Aber das, was der Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz weiß, zeigt, wie fragil die Natur sein kann. Oder sollte man in diesem Fall von resilient sprechen? Für die Naturschützer im Landkreis ist der Pastorendiek ein „Naturjuwel“, das in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert: Mit Gottesdienst und vielen Infos am Samstag, 3. Oktober.
Das Jubiläum wird auf Initiative der Kirchengemeinde Sudwalde und des Heimatvereins Sudwalde unter Begleitung der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz am 3. Oktober gefeiert. Beginn ist um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst mit Pastor Julius Henckel direkt am Pastorendiek. Wer noch nie dort war: Der Pastorendiek liegt im Forstort „Gehege“ zwischen Mallinghauen und Staatshausen. Nach dem Gottesdienst erfolgt um 11 Uhr das Grußwort durch die stv. Landrätin Dörte Meyer.
Ab 12.30 Uhr beginnt der fachliche Teil mit einem Vortrag zum Pastorendiek („Er atmet Ruhe und Frieden“) von Jan Kanzelmeier auf dem angrenzenden Campingplatz (Navi-Adresse: Mißlershäuserstr. 191, 27257 Sudwalde-Staatshausen). Bis etwa 16 Uhr werden weitere Infos rund um den Pastorendiek präsentiert, etwa zur Landschaftsentstehung, zur historischen und aktuellen Entwicklung, zu Gefährdung und Schutz sowie zu den Aufgaben der Stiftung Naturschutz. Ergänzend werden Exkursionen mit Traktor und Anhänger zum Pastorendiek angeboten.

Der neuer Steg am Pastorendiek lässt den Blick über die Fläche schweifen. © Stiftung Naturschutz
Dort kann von der neuen Aussichtsmöglichkeit auf das Gewässer geblickt werden. Der hölzerne Steg wurde durch EU-Mittel der Leader-Region Sulinger Land gefördert. Die Kosten für den Steg und dessen Einrahmung sowie eine dazugehörige Info-Tafel belaufen sich auf rund 20.000 Euro. 8.400 Euro stammen aus Leader-Fördermitteln, 5.000 Euro spendierte die Samtgemeinde Schwaförden und 6.600 Euro steuerte die Stiftung Naturschutz aus ihren Mitteln bei. Der Waldweg am Pastorendiek ist für Fahrzeuge gesperrt. Radler dürfen passieren. Parkmöglichkeiten bestehen nur auf dem ausgeschilderten Campingplatz.
Jan Kanzelmeier erinnert daran, dass die Pastoren in Sudwalde einst das Abtorfrecht für das Schlatt besaßen. Das Gemeindehaus in Sudwalde wird längst nicht mehr per Torf beheizt und so wurde der Bereich, der sich seit deutlich über 200 Jahren im Eigentum der Kirchengemeinde befindet, unter Schutz gestellt. Seit 1926 besteht die sogenannte „Schutzgebietsanweisung“. Der Pastorendiek ist, anders als mancher andere Bereich, nicht so stark beeinträchtigt worden durch landschaftliche Veränderungen: Rundherum wurde der Wald nicht gerodet, wurden keine landwirtschaftlich genutzten Flächen geschaffen, die wiederum Nährstoffe ins Wasser gespült hätten.
Dennoch ist auch an diesem Naturkleinod der Klimawandel zu spüren. Jan Kanzelmeier verweist auf die Verlandungen. „Diese Prozesse sind möglicherweise beschleunigt worden durch die stärkeren Einflüsse des Klimawandels. Wir hatten einst mal 1,5 Hektar offene Wasserfläche, also 15.000 Quadratmeter. Heute sind es noch 6.000 Quadratmeter.“ Zwar sei der Verlandungsprozess in einem sogenannten Schlatt, um den es sich beim Pastorendiek handele, durchaus normal. Aber es gibt weitere Veränderungen, die den Naturschützern auffallen: etwa die Gehölze, die auf dem Verlandungsbereich anwachsen. Es handele sich um „störende Gehölze“, wie Birken und Kiefern, die das Wasser entziehen. Die Beobachtungen seien noch nicht wissenschaftlich belegt, bisher gebe es nur „optische Einschätzungen“ der Naturschützer. Und die fragen sich, ob jene Gehölze nicht besser zu entnehmen seien. Andere, die eher passen, würden bleiben können.
Das Problem: Es gibt dort Schwingrasen. Und der ist tückisch. Jan Kanzelmeier muss lachen, als er gefragt wird, ob es da eine Belastungsgrenze gibt. „Nein, die gibt es nicht. Schwingrasen ist einfach nur begrenzt tragfähig.“ Soll heißen: Wie tief man einsinkt, tja, das findet man dann raus. Was den Einsatz von schwerem Gerät ausschließt, natürlich.
Besonders seit der Pandemie ist der Pastorendiek als Ausflugsziel verstärkt entdeckt worden. Aber die Besucher, die um das Schlatt herumwandern, schaden dem Areal. Deshalb nun ist ein hölzerner Steg gebaut worden, der einen Aussichtspunkt freischwebend über dem Wasser bietet. Einher mit der Freigabe des Steges geht die Bitte der Naturschützer, das sensible Areal rund um das Schlatt künftig nicht mehr zu betreten.
Während der Veranstaltung am Samstag werden Bratwurst und Kaltgetränke vom Heimatverein und der Kirchengemeinde angeboten. Kirchengemeinde, Heimatverein und Stiftung Naturschutz laden alle Interessierten ein und freuen sich auf spannende Gespräche und Diskussionen rund um den Pastorendiek.
Quelle: Kreiszeitung vom 01.10.2026



