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Knabenkraut

1.500 Besucher beim ersten Kranichfest in den Moorwelten in Ströhen

Von: Bernd Gerwanski

Fast 40.000 Kraniche rasten inzwischen jedes Jahr in der Region Diepholz. Beim ersten Kranichfest in den Moorwelten erfuhren Besucher, wie Moorrenaturierung, Landwirtschaft und Windkraft die Zukunft der majestätischen Vögel beeinflussen.

Ströhen – Grau und nieselig begann der Sonntag. War das vielleicht ein schlechtes Wetter für das erste Kranichfest, das der Förderverein der Moorwelten organisiert hatte? „Man geht bei jedem Wetter raus“, betonte Jan Kanzelmeier, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz, an seinem Infostand. „Denn es geht heute um Moore und Kraniche.“ Und so kamen bis zu 1.500 kleine und große Menschen den ganzen Tag über, um dieses erste „Herbstfest für Kranichfans, Familien und die Region“ zu erleben.

„Es waren auch viele Besucher aus den Niederlanden da“, berichtete Julia Nixdorf, „vereinzelt sogar Leute aus Belgien und der Schweiz“. Im Namen des Fördervereins hatte die Regionalmanagerin des Naturparks Dümmer gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Kreye das Fest eröffnet. „Die Moorwelten sind ein idealer Ort für das Fest“, erklärte sie in ihrer Eröffnungsansprache. „Hier liegt ein zentrales Rastgebiet, denn die Kraniche brauchen das Moor.“

Die Gemeinde könne solch ein Fest nicht alleine veranstalten, ergänzte Matthias Kreye. „Wir sagen daher Danke an unseren engagierten Förderverein. Aus seiner ursprünglichen Idee ist heute etwas Großes geworden.“

„Die Besucher suchen gezielte Informationen über die Kraniche“, stellte Imke Schweneker vom BUND Diepholzer Moorniederung fest. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland war wie mehrere andere Organisationen mit einem Stand vertreten. „Die Kranichsaison ist ein Naturschauspiel“, betonte Schweneker. „Die Moore dienen als Schlafplätze, die Nahrungsflächen befinden sich hingegen außerhalb des Moores.“ Die Kraniche kämen aus nördlichen Gebieten an der Ostsee, würden jetzt in unserer Region rasten und dann bis in den Süden Frankreichs weiterziehen. Die Hauptrastzeit werde in etwa drei Wochen erreicht, sagte sie. In der dritten Novemberwoche werde das Naturschauspiel enden.

Mit drei Fachvorträgen wurde das Thema vertieft. So sprach zum Beispiel Daniel Ahlert vom Fachdienst Kreisentwicklung/Naturschutz des Landkreises Diepholz über die Konfliktsituationen in Bezug auf erneuerbare Energien und das Rastverhalten der Kraniche. Er wies dabei auf die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre hin. In der Folge der beginnenden Moorrenaturierungen sei die Zahl der durchziehenden Kraniche seit dem Jahr 2000 immer weiter angestiegen. Mittlerweile sei es so, dass fast 40.000 Kraniche über 50 Tage hinweg in der Region zu verzeichnen seien. Und: „Ohne die Landwirtschaft wäre der Kranich nicht hier“, führte er weiter aus. „Der Kranich ist ein Allesfresser.“

Gleichzeitig habe sich die Zahl der Windkraftanlagen (WKA) erhöht, betonte Daniel Ahlert. Doch durch Kollisionen seien die Kraniche eher nicht gefährdet. Kraniche seien empfindlich gegen optische und akustische Reize. „Kraniche sind also kein Ausschlusskriterium für die WKA.“ Die Energieversorgung spiele nun mal eine wichtige Rolle. Während die Schlafplätze der Kraniche „an sich gut geschützt“ seien, erklärte der Fachmann weiter, seien allerdings „weitere Forschungen zur Nahrungsverfügbarkeit notwendig“. Denn es sei ein Verlust an störungsfreien Nahrungsflächen zu verzeichnen. Alles in allem zeige sich der Kranich als „anpassungsfähiger Vogel, der in den 20 Jahren eine gute Entwicklung genommen hat“, fasste Daniel Ahlert zusammen.

In diesen beiden Jahrzehnten hat der Kranich wohl auch seine Fans gewonnen. Angebote an Kalendern, Fotografien und Kunsthandwerk widmeten sich auf dem Kranichfest dem Thema. So gab es viel zu bestaunen, zu kaufen und viele Mitmachaktionen. Die Besucher waren offensichtlich sehr zufrieden. „Es sind alles Naturliebhaber“, stellten die Teilnehmer vom Naturschutzbund Dümmer an ihrem Informationsstand fest. „Und es sind sehr viele Familien mit Kindern darunter.“

„Auch von unserer Seite war es ein rundum gelungenes erstes Kranichfest“, erklärte Julia Nixdorf abschließend. Und darum soll es im nächsten Jahr ein Wiedersehen geben.

Quelle: Kreiszeitung vom 19.10.2026