Barnstorfer Moor soll vernässt werden – Informationsveranstaltung im Rathaus nur mäßig besucht
Von: Eva-Maria Konkel
Das Barnstorfer Moor steht seit Oktober 2025 unter Naturschutz und soll renaturiert werden. Informationsveranstaltung im Rathaus mit 22 Gästen nur mäßig besucht.
Barnstorf – Das Barnstorfer Moor und der Klimaschutz standen bei der Informationsveranstaltung am Montag im Barnstorfer Rathaus im Mittelpunkt. Geladen hatten die Stiftung Naturschutz im Landkreis Diepholz, der Landkreis Diepholz und das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser.
Obwohl 339 private Grundeigentümer Land im Moor besitzen, war das Interesse mit 22 Besuchern eher gering.
Das seit Oktober 2025 unter Naturschutz stehende Barnstorfer Moor soll seine Aufgabe als Klimaschützer durch Renaturierung wiedergewinnen. „Das größte Problem in der Landwirtschaft ist das Wasser“, sagte Olaf Stührmann vom Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser. „Mal haben wir zu viel Wasser, das dann letztlich in der Nordsee landet, und mal fehlt uns das Wasser. Dafür benötigen wir ein intelligentes Wassermanagement. Das ist für unsere Landwirtschaft und damit für uns alle existenziell.“
Intakte Moore sind wertvolle CO₂-Speicher. Entwässerte Moore, wie das Barnstorfer Moor, setzen hingegen große Mengen an Treibhausgasen frei. Daher soll jetzt alles daran gesetzt werden, Moorflächen wieder zu vernässen. Durch die Renaturierung und Wiedervernässung des circa 1.313 Hektar großen Barnstorfer Moores, das großflächig industriell abgetorft ist, sollen sich wieder hochmoortypische Lebensräume einstellen. Interessantes Detail: Auf der Moorfläche um Barnstorf haben rund 1875 Fußballfelder mit einer Größe von jeweils 0,7 Hektar Platz.
Der für den Klimaschutz so wichtige Torf soll wieder wachsen können
Insbesondere soll der für den Klimaschutz so wichtige Torf wieder wachsen können. Torfbildende Moose speichern unter Sauerstoffabschluss CO₂. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Wassersättigung der Böden. „Die Wiedervernässung ist bedeutend für unser Klima“, betonte Olaf Stührmann. „Dabei sind natürlich konkurrierende Nutzungsansprüche zu beachten. Niemand wird gezwungen, Land zu verkaufen. Am Ende muss jeder zu seinem Recht kommen und natürlich besteht ein Anspruch auf wertgleichen Ersatz. In der Flurbereinigung gibt es ein Verschlechterungsverbot.“
Moore sind gigantische, hocheffektive Kohlenstoffspeicher. Sie speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen, obwohl sie nur etwa drei Prozent der weltweiten Fläche bedecken. Werden sie jedoch, wie in der Vergangenheit geschehen, für die Landwirtschaft oder den Torfabbau entwässert, entweicht der gebundene Kohlenstoff als Treibhausgas in die Atmosphäre. In intakten Mooren verhindert stehendes Wasser die vollständige Zersetzung abgestorbener Pflanzen: Totes Pflanzenmaterial wird unter Sauerstoffabschluss nicht vollständig zersetzt. Es bildet sich Torf, der den Kohlenstoff über Jahrtausende bindet. Über 90 Prozent der heimischen Moore wurden trockengelegt und dadurch gelangt Sauerstoff in den Boden und Mikroorganismen zersetzen den Torf. Dadurch werden riesige Mengen Treibhausgase freigesetzt. Allein in Deutschland sind entwässerte Moore für etwa sieben Prozent der nationalen Gesamtemissionen verantwortlich.
Zukunftsperspektive Paludikultur
Die Zukunftsperspektive kann die Paludikultur sein, also die Bewirtschaftung nasser Moorböden. Denn die Herausforderung beim Moorschutz besteht darin, die Klimaziele mit den Interessen der Land- und Forstwirtschaft in Einklang zu bringen. Dabei werden Pflanzen angebaut, die auf nassen Flächen gedeihen, wie Schilfrohr oder Torfmoose. Daraus lassen sich nachhaltige Produkte wie Bau- und Dämmmaterialien, Verpackungen und torffreie Gartenerde herstellen.
„Im Barver Moor haben wir das schon sehr erfolgreich begonnen, und wer Interesse hat, kann sich dazu einen Film auf Youtube ansehen“, sagt Olaf Stührmann. In der anschließenden Fragerunde gab es geteilte Ansichten zur Notwendigkeit des Klimaschutzes und des gesamten Projektes.
„Wasser zurückhalten und nutzen können, wenn es gebraucht wird. Es muss möglich sein, auf Wetterereignisse zu reagieren. Lassen Sie uns doch erst einmal überlegen und dann im nächsten Jahr darüber reden“, appellierte Stührmann zum Ende der Veranstaltung und fand bei den meisten der Anwesenden Zustimmung.
Quelle: Kreiszeitung vom 27.06.2026



